Makkabi Deutschland Winter Games 2023 – Historischer Rückblick

MAKKABI Deutschland WinterGames News

Makkabi Deutschland Winter Games 2023

Medien-Kick-Off, München, Jüdisches Gemeindezentrum,

17. Mai 2022

Historischer Rückblick

Prof. Dr. Manfred Lämmer

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die meisten von Ihnen haben sicherlich Schwierigkeiten, zwischen der Makkabi-Bewegung und dem Wintersport einen Zusammenhang herzustellen. Die Makkabiah, die seit 1932 in Israel stattfindet, verbinden Sie wohl eher mit Sonne, Hitze und Durst, aber kaum mit Wettkämpfen auf Schnee und Eis.

Aber bereits vor dem Ersten Weltkrieg und später in der Weimarer Republik betrieben auch jüdische Turn- und Sportvereine Wintersport und veranstalteten nationale Meisterschaften. Schon kurz nach der erfolgreich verlaufenen ersten Makkabiah beschloss die Makkabi-Weltunion im Oktober 1932, auch eine Winter-Makkabiah zu gründen, die aus klimatischen Gründen natürlich nur in Europa stattfinden konnte. Die Verantwortlichen bezogen sich dabei ausdrücklich auf die Olympischen Winterspiele (seit 1924) als Vorbild.

Die erste Ausgabe fand vom 2. bis 5. Februar 1933, also wenige Tage nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten, in Zakopane in Polen am Fuße der Hohen Tatra statt. Sie waren, ebenfalls wie die Makkabiah im Jahre zuvor, angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise ein ökonomisches und organisatorisches Wagnis. 250 Sportlerinnen und Sportler aus 8 Nationen aus Mittel- und Osteuropa kämpften im Ski-Langlauf, Abfahrtslauf und Slalom, Eiskunstlauf, Eishockey und Rodeln um Medaillen.

Planung und Durchführung der Veranstaltung waren für die damaligen Verhältnisse von bemerkenswerter Professionalität: Das Organisationskomitee in Krakau installierte eine medizinische Überwachung der Sportlerinnen und Sportler und führte die Wettkämpfe streng nach den Regeln des Internationalen Skiverbandes (FIS) durch. Ferner wurde in Zusammenarbeit mit dem Reisebüro Thomas Cook ein touristisches Anschlussprogramm angeboten. Mit Omega und Ovomaltine war es den Veranstaltern gelungen, zwei Sponsoren zu gewinnen, die damals bereits die Olympischen Spiele und andere sportliche Großveranstaltungen förderten.

Der feierlichen „Eröffnungsakademie“ im Narodny Dom folgten neben den Wettkämpfen sportfachliche Tagungen und ein kulturelles Begleitprogramm. Widersprüchliche Aussagen gab es über die Haltung der polnischen Regierung. Während die MWU deren Unterstützung lobte, wird andernorts berichtet, dass eine Zeitung die nationale Jugendorganisation aufforderte, gegen die Veranstaltung zu protestieren, damit die Winterkurorte bzw. der Wintersport „nicht in jüdische Hände fielen“.

Diese ersten Winterspiele waren trotzdem bescheiden und aus der Sicht der Vertreter des Deutschen Makkabi-Kreises enttäuschend. Sie äußerten in ihrem Verbandsorgan: „Leider war die Teilnahme der deutschen Makkabim sehr schwach“. Daher beschloss die Führung, ihnen in Zukunft größere Aufmerksamkeit zu schenken. Besonders in das jüdische Jugend- und Sportheim an Keilberg im tschechischen Erzgebirge, Oberwiesental gegenüber, das kurz vor der Fertigstellung stand, setzte man hohe Erwartungen.

Die zweite Winter-Makkabiah im Februar 1936 im slowakischen Banská Bystrica verzeichnete einen deutlichen Anstieg der Teilnehmerzahlen, die in verschiedenen Quellen mit 2.000 oder gar 2.500 angegeben wurden. Dabei scheint es sich aber nicht nur um Athleten sondern auch um Begleitpersonen, Funktionäre und „Schlachtenbummler“ gehandelt zu haben.  

Obwohl Makkabi Deutschland die zweitgrößte Mannschaft stellte, waren die sportlichen Erfolge wiederum enttäuschend. Sie errang nur wenige „Podestplätze“. Der Chronist Kurt Lewin schrieb: „Unsere Makkabim ernteten nicht viele Lorbeeren“. Nur der Frankfurter Blum siegte im Rodeln. Beliebt waren die Abendveranstaltungen mit Turn- und Ballettvorführungen. Die Spiele litten unter hohen Temperaturen, Schneemangel und zuletzt einem Regeneinbruch, der sogar zum Abbruch des Eishockey-Turniers führte.

Eine dritte Winter-Makkabiah gab es in den 30er Jahren und danach nicht mehr, während die Serie der Makkabioth 1950 im inzwischen gegründeten Staat Israel fortgesetzt werden konnte.

Auf die Neuauflage der Winter Games vom 2. bis 9. Januar 2023 in Ruhpolding sind wir alle sehr gespannt.

 

English:

Ladies and Gentlemen,

I am sure most of you find it strange to connect the Maccabi movement and winter sports. You probably associate the Maccabiah, which has been taking place in Israel since 1932, more with sun, heat and thirst, but hardly with competitions on snow and ice.

Even before the First World War and later in the Weimar Republic, Jewish gymnastics and sports clubs also practised winter sports and organised championships. Shortly after the successful first Maccabiah, the Maccabi World Union decided in October 1932 to also found a Winter Maccabiah, which for climatic reasons could, of course, only take place in Europe. Those responsible explicitly referred to the Winter Olympics (since 1924) as a model.

The first edition took place in Zakopane in Poland at the foot of the High Tatras from 2 to 5 February 1933, a few days after the Nazis came to power. They were, also like the Maccabiah the year before, an financial and organisational risk because of the continuing world economic crisis. 250 athletes from 8 nations in Central and Eastern Europe competed for medals in cross-country skiing, downhill and slalom, figure skating, ice hockey and luge.

The planning and execution of the event were of remarkable professionalism for the conditions at that time: The organising committee in Krakow installed a medical supervision of the athletes and conducted the competitions strictly according to the rules of the International Ski Federation (FIS). Furthermore, a tourist follow-up programme was offered in cooperation with the travel agency Thomas Cook. With Omega and Ovomaltine, the organisers had succeeded in gaining two sponsors promoting the Olympic Games and other major sporting events at the time.

The ceremonial „Opening Academy“ in the Narodny Dom was followed by conferences of experts and a cultural programme in addition to the competitions. There were contradictory reports about the attitude of the Polish government. While the MWU praised its support, there is evidence elsewhere that a newspaper called on the national youth organisation to protest against the event so that the winter resorts or winter sports „did not fall into Jewish hands“.

These first Winter Games were nevertheless modest and disappointing in terms of the representatives of German Maccabi. They expressed in their official organ: „Unfortunately, the participation of the German Maccabim was very weak“. Therefore, the leadership decided to pay more attention to them in the future. High expectations were placed on the Jewish youth and sports centre at Keilberg in the Czech Erzgebirge, opposite Oberwiesental, which was about to be completed.

The Second Winter Maccabiah in February 1936 in Banská Bystrica, Slovakia, saw a marked increase in the number of participants, which various sources put at 2,000 or even 2,500. However, this amount seems to have included not only athletes but also accompanying persons, officials and supporters. 

Although Maccabi Germany provided the second largest team, the sporting successes were again disappointing. They achieved only a few „podium places“. The chronicler Kurt Lewin wrote: „Our Maccabim did not reap many laurels“. Only Blum from Frankfurt won in the tobogganing. The evening events with gymnastics and ballet performances were popular. The games suffered from high temperatures, lack of snow and finally, a rainstorm that even led to the cancellation of the ice hockey tournament.

There was no Third Winter Maccabiah in the 1930s or after that, while the „Summer Maccabioth“ continued in 1950 in the State of Israel.

We are all very excited about the new edition of the Winter Games from 2 to 9 January 2023 in Ruhpolding.

 

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