Ayelet Shahar-Epstein und Rona Epstein zu Gast bei Makkabi

MAKKABI Deutschland News

Am 29. September durften wir gemeinsam mit unserem langjährigen Partner what matters gGmbH Ayelet Shahar-Epstein und ihre Tochter Rona Epstein aus dem Kibbutz Kfar Aza im Süden Israels zu einer außergewöhnlichen Abendveranstaltung bei Makkabi Frankfurt begrüßen. Begleitet wurden die beiden von Ayelets jüngerer Tochter Alma. Es war ein sehr persönlicher Abend über den 7. Oktober 2023, über Familie, Verlust und Erinnerung – und vor allem über Netta: Sohn, Bruder, Torwart, Trainer und leidenschaftlicher Fußballfan.

Für MAKKABI Deutschland und what matters war es eine große Ehre, Ayelet, Rona und Alma an diesem besonderen Abend willkommen zu heißen. Gemeinsam mit unserer Makkabi-Familie, Freunden und langjährigen Wegbegleitern wollten wir einen Raum schaffen, in dem vor allem eines möglich war: zuzuhören.

Zuzuhören, wenn Ayelet und Rona von ihrem Leben in Kfar Aza erzählen. Von ihrer Familie. Von den Menschen, die ihnen fehlen. Und von den Morgenstunden des 7. Oktober 2023, die ihr Leben für immer verändert haben.

Die Geschichte von Netta

Fünf Angehörige der Familie wurden am 7. Oktober 2023 ermordet. Unter ihnen war der damals 21-jährige Netta Epstein – Ayelets Sohn und Ronas Bruder.

Netta war Torwart, Torwarttrainer und leidenschaftlicher Fan von Borussia Dortmund. Als Terroristen sein Apartment in Kfar Aza stürmten, warf er sich auf eine Handgranate und rettete damit seiner Verlobten Irene das Leben.

Doch Netta sollte an diesem Abend nicht nur über die Umstände seines Todes vorgestellt werden. Vielmehr ging es darum, wer er als Mensch war: als Sohn und Bruder, als Freund, als Fußballer und als junger Mensch mit eigenen Träumen, Leidenschaften und einem besonderen Gespür für seine Mitmenschen.

Ayelet beschrieb ihren Sohn als eine fröhliche Seele mit einer positiven Ausstrahlung. Als jemanden, der einen Raum betreten, Menschen zum Lachen bringen, Witze erzählen und singen konnte – und den man sofort ins Herz schloss.

Gerade diese persönlichen Erinnerungen machten den Abend so besonders. Denn hinter den abstrakten Zahlen, Bildern und Nachrichten über den 7. Oktober stehen einzelne Menschen, Familien und Lebensgeschichten.

Rona brachte die Realität, mit der ihre Familie seit dem 7. Oktober leben muss, mit wenigen Worten auf den Punkt: Ihre besten Freunde seien nicht zur Beerdigung ihres Bruders gekommen, weil sie bei der Beerdigung ihrer anderen besten Freundin waren. „That’s our reality.“

Eine Verbindung zu Kfar Aza

Unsere eigene Verbindung zu Kfar Aza begann bereits einige Wochen vor der Veranstaltung. Während der Maccabiah 2026 war eine Delegation von MAKKABI Deutschland gemeinsam mit Daniel Lörcher im Rahmen eines besonderen Bildungsprogramms im Süden Israels unterwegs.

Entlang der Straße 232 führte die Reise unter anderem zum Nova Festival Memorial und nach Kfar Aza. Dort standen wir an Orten, die wir zuvor aus Nachrichten, Dokumentationen und Bildern kannten. Wir sahen zerstörte Häuser, hörten persönliche Geschichten und bekamen einen unmittelbaren Eindruck davon, was der Terrorangriff für einzelne Menschen und ganze Gemeinschaften bedeutet hat.

Diese Erfahrungen haben uns tief bewegt und noch einmal deutlich gemacht, weshalb unsere tägliche Arbeit gegen Antisemitismus und für demokratische, menschenrechtsorientierte Sport- und Bildungsarbeit so wichtig ist.

Dass Ayelet und Rona nur wenige Wochen später selbst bei uns in Frankfurt zu Gast waren, verlieh dieser Verbindung eine ganz besondere Bedeutung.

„More than ever“ – jüdischer Sport als Ausdruck von Selbstbestimmung

Auch die diesjährige Maccabiah stand unter dem Motto „More than ever“. In ihrer Geschichte konnte die Maccabiah nur während der Zeit des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkriegs und der Shoah nicht stattfinden. Umso bedeutender war es, dass die internationale jüdische Sportgemeinschaft trotz Krieg, Verschiebung und anhaltender Unsicherheit erneut in Israel zusammenkam.

Die Maccabiah steht seit jeher für jüdische Selbstbestimmung. Aus Ausgrenzung und Antisemitismus entstanden, hat sie sich zu einer internationalen jüdischen Sportbewegung entwickelt, die sportliche Leistung, Gemeinschaft und sichtbares jüdisches Leben miteinander verbindet.

Auch Alon Meyer, Präsident von MAKKABI Deutschland, betonte die Bedeutung jüdischer Gemeinschaft und jüdischen Selbstbewusstseins: Mehr denn je brauche es Räume, in denen Jüdinnen und Juden offen und selbstbewusst zusammenkommen können – und Menschen, die an ihrer Seite stehen.

Der 7. Oktober ist Teil unserer Gegenwart

Der Terror des 7. Oktober fand weit entfernt von Frankfurt statt. Seine Folgen sind jedoch auch hier spürbar – in jüdischen Gemeinden, an Schulen und Hochschulen, in Sportvereinen und natürlich auch bei Makkabi.

Für uns bedeutet das, hinter politischen Debatten und abstrakten Begriffen immer auch die konkreten Erfahrungen der Menschen zu sehen.

Ayelet und Rona kamen an diesem Abend nicht nach Frankfurt, um eine politische Position oder die israelische Regierung zu vertreten. Sie kamen als unmittelbar Betroffene, als Mutter und Tochter und als Menschen, deren Leben am 7. Oktober grundlegend verändert wurde. Sie erzählten von ihrer Familie, von ihrem Leben vor diesem Tag und von der Realität danach.

Dabei wurde auch deutlich, wie eng Trauer, Angst, Hoffnung und der Wunsch nach Frieden miteinander verbunden sein können.

Makkabi ist mehr als Sport

Makkabi steht für Sport, Gemeinschaft und Wettbewerb auf dem Platz. Gleichzeitig ist Makkabi immer auch ein sichtbarer Teil jüdischen Lebens in Deutschland.

Seit 2020 hat sich MAKKABI Deutschland bundesweit als Anlaufstelle im Kampf gegen Antisemitismus im Sport etabliert. Mit unserer Bildungsabteilung Zusammen1 arbeiten wir mit Vereinen und Verbänden in ganz Deutschland – vom Amateurbereich bis zum Profisport.

Wir begleiten Betroffene, Vereine und Verbände nach antisemitischen Vorfällen und arbeiten gleichzeitig präventiv mit Menschen im Sport, um Respekt, Verantwortung und Zusammenhalt zu stärken.

Für uns gehört deshalb auch die Auseinandersetzung mit Erinnerung, Geschichte und den persönlichen Geschichten von Betroffenen zu unserer Arbeit.

Aus Erinnerung wird Verantwortung

Erinnerung darf nicht beim Blick zurück stehen bleiben. Sie kann Beziehungen entstehen lassen, Verantwortung schaffen und Menschen dazu bewegen, selbst aktiv zu werden.

Genau dafür steht auch die langjährige Verbindung zwischen Kfar Aza, Borussia Dortmund und unserer eigenen Bildungsarbeit.

Ein wichtiger Partner auf diesem Weg ist die what matters gGmbH. Die Bildungsorganisation verbindet historisch-politische Bildung und Erinnerungsarbeit mit der Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung und bringt diese Themen gezielt in den Sport und seine Strukturen.

Eine zentrale Persönlichkeit dieser langjährigen Partnerschaft ist Daniel Lörcher, Gründer und Geschäftsführer von what matters und zugleich Vizepräsident von Borussia Dortmund. Seit vielen Jahren verbindet ihn eine enge persönliche Beziehung zu Israel, zu Ayelet, Rona und ihrer Familie.

Auch unsere Reise nach Kfar Aza während der Maccabiah wäre in dieser Form ohne ihn nicht möglich gewesen.

Mit dem Projekt „Team Netta“ ist aus der Erinnerung an Netta zugleich konkretes Engagement entstanden. Seine Geschichte wird nicht nur weitererzählt, sondern mit Begegnung, Bildungsarbeit und sozialem Engagement verbunden.

Daniel Lörcher führte an diesem Abend einfühlsam durch das Gespräch mit Ayelet und Rona, gab ihren persönlichen Erzählungen den notwendigen Raum und half dabei, Erfahrungen und Hintergründe einzuordnen. Dafür und für seinen persönlichen Einsatz in den vergangenen Jahren sind wir ihm sehr dankbar.

Eine Geschichte, die wir weitertragen

Wir sind Ayelet, Rona und Alma sehr dankbar für ihr Vertrauen, ihre Offenheit und dafür, dass sie bereit waren, ihre persönliche Geschichte mit uns zu teilen.

Unser Dank gilt ebenso Daniel Lörcher und what matters für die langjährige Freundschaft, die vertrauensvolle Zusammenarbeit und dafür, diesen besonderen Abend gemeinsam mit uns möglich gemacht und begleitet zu haben.

Von diesem Abend nehmen wir viele Eindrücke mit – und einige davon werden uns sicherlich noch lange begleiten.

Vor allem aber bleibt für uns eine Verantwortung: zuzuhören, nicht wegzusehen und die Menschen hinter den Schlagzeilen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Und Nettas Geschichte weiterzutragen.

Nicht nur die Geschichte davon, wie er am 7. Oktober starb – sondern vor allem die Geschichte davon, wie er lebte.

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