!Nie Wieder

MAKKABI Deutschland News

Erinnern und Erinnerungskultur. Was bedeutet das heute? Das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus ist ein wichtiger Teil des deutschen Selbstverständnisses. Denn wir sind uns einig: “!Nie wieder” darf es zu einem solchen Zivilisationsbruch kommen. 

!Nie wieder und der Einsatz gegen das Vergessen ist heute genauso wichtig wie vor 76 Jahren. Doch wie können wir ein “!Nie wieder” sicherstellen, während antisemitische und rassistische Anschläge stattfinden, während Menschen aus LGBTIQ+ – Feindlichkeit auf offener Straße angegriffen werden und während Rechtspopulisten, Rechtsradikale und Rechtsextreme wieder in Parlamenten sitzen? 

Leider zeigt das Erstarken dieser Kräfte, dass es einen großen Unterschied zwischen Erinnern und Erinnerungskultur gibt. Das eine geschieht individuell und das andere ist Teil des Selbstverständnisses dieser Gesellschaft. Leider hat nicht alles Erinnern auch seinen Platz in der deutschen Erinnerungskultur. 

Darum ist es uns als Nachkommen und Angehörige der von den Nationalsozialisten ermordeten Jüdinnen und Juden wichtig, dieses Jahr besonders auf die Menschen aufmerksam zu machen, die aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Trans- oder Homosexualität verfolgt wurden. Denn ihre Diskriminierung endete auch nach 1945 nicht. Viel zu  lange sind ihre Namen verschwiegen worden. Viel zu lange wurde damit die Gewalt einer Erinnerungsverweigerung fortgeführt. Erst 1994 wurde Homosexualität endgültig entkriminalisiert. Aber nach wie vor ist das Wissen über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in unserer Gesellschaft limitiert. Nach wie vor sind queere1gewendeter Begriff , der früher negativ konnotiert war und heute eine positive Selbstbezeichnung für alle, die sich nicht der heterosexuellen und binären Geschlechternorm angehörig fühlen, ist Menschen in ihrem Alltag Anfeindungen und Gewalt ausgesetzt. 

Die eindimensionale Erinnerung betrifft vor allem Jüdinnen und Juden, die sich nicht in das einfache Bild des Opfers fügten und existiert bis heute: Häufig werden wir wie wandelnde Museumsstücke behandelt. Doch sind wir seit 1700 Jahren ein Teil der deutschen Geschichte und haben diese mit geprägt. Auch heute setzen sich viele junge und ältere Jüdinnen und Juden dafür ein, dass diese Gesellschaft eine bessere wird. Wir sind jüdisch in Deutschland, wir sind sportlich, wir sind kreativ, wir sind queer und wir sind ein Teil dieser Gesellschaft. Jüdisches Leben gibt es nur in allen Farben des Regenbogens!

MAKKABI und Keshet sind ein Ausdruck dieses vielfältigen jüdischen Lebens. Wir setzen uns dafür ein, dass jüdisches Leben in Vergangenheit und Gegenwart auch genau so wahrgenommen wird. Wir erinnern an all die mutigen Jüdinnen und Juden, die uns vorausgegangen sind. Diejenigen, die durch ihre Leidenschaft, ihr Denken, ihren Einsatz und ihre Hoffnung die Grundlagen für unsere heutigen Handlungen gelegt haben. Diejenigen, die dabei ihr Leben ließen. Der Einsatz dafür, dass auch an sie erinnert wird, ist aber auch ein klares Signal an unsere Gegenwart. “Nie Wieder” ist für uns nicht nur ein Ausdruck des Bedauerns, es ist eine Aufforderung, zu handeln. Für uns bedeutet es, Judenhass, Antiziganismus, Rassismus und LGBTQI+ – Feindlichkeit zu benennen und ihnen den Kampf anzusagen. Dabei braucht es die gesamte deutsche Gesellschaft, denn es ist ein Kampf für unser aller Freiheit. Seite an Seite können wir ein Deutschland schaffen, in dem jede und jeder alle Aspekte ihrer und seiner Persönlichkeit offen leben kann. 

Wir wollen heute an diejenigen erinnern, die vergessen und verdrängt sind, deren Namen sich nicht in großen Reden finden. Wir erinnern an diejenigen, die Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet haben, an diejenigen, die auch in der Bundesrepublik noch durch den Paragraphen 175 StGB kriminalisiert wurden und an diejenigen, die in West- und Ostdeutschland nicht als Teil der Erinnerungskultur erwünscht waren, weil ihr Widerstand und ihre Existenz das Selbstverständnis der deutschen Gesellschaft in Frage stellten. Nehmen wir das “Nie Wieder” als Handlungsimperativ ernst. Steht mit uns. Lasst uns laut sein, wenn wir Unrecht sehen – egal wen es betrifft!  

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