MAKKABI Deutschland trifft den Bundespräsidenten

MAKKABI Deutschland trifft den Bundespräsidenten

MAKKABI Deutschland & Makkabi Frankfurt trifft sich zur Kaffeetafel mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.

Ariel Leibovici erzählt vom spannenden und intensivem Treffen. Er ist der sportliche Leiter bei MAKKABI Deutschland & Trainer der 2.Mannschaft von Makkabi Frankfurt.

Am 07.02.2019 traf ich mich mit dem Herrn Bundespräsidenten Steinmeier und seiner Gattin Frau Büdenbender im Frankfurter Salon.

Bei unserem Treffen waren ca. 12 Frankfurter Bürger miteingeladen die sich zur Aufgabe gemacht haben Flüchtlinge in Frankfurt zu unterstützen und zu integrieren.  

Als Beispiel: Die Personalchefin vom Karosseriebauer Friedrichs Frankfurt war vor Ort. In deren Firma werden Flüchtlinge die Möglichkeiten geboten Ausbildungen zu absolvieren um in Form von aktiver Tätigkeit in das „normale Leben“ ihren Einstieg zu beginnen. Jonathan, der bereits seit über zwei Jahren in der Firma tätig ist war als Begleitung mit am Tisch und erzählte mit großen und stolzen Augen über die Möglichkeit die die Forma Friedrichs ihm ermöglichte. Nach nur vier Jahren in Deutschland beherrscht Jonathan die deutsche Sprache fast fließend und wir seine Ausbildung 6 Monate früher abschließen dürfen.

In unserer Runde ging es ebenfalls um die Sicherheit in Frankfurt. Schwerpunkt war die Lage rund ums Bahnhofsviertel. Hier schwärmte der Bundespräsident von der sehr positiven Entwicklung in dem sonst so gefährlichen Brennpunkt der Stadt.

Er erzählte uns von seinen Erfahrungen in der Gegend rund um die 80er Jahre als er regelmäßig Frankfurt besuchte.

Hier entstand der erste kleine Meinungsaustausch. Der Großteil am Tisch konnte die von ihm angesprochene positive Entwicklung so nicht bestätigen.

Die Kriminalität, der Drogenkonsum und das Rotlichtmilieu sind weiterhin zu stark present und viele Frankfurter meiden bei Dunkelheit diese Gegend aus Angst.

Die Polizei so stellten viele fest,  wirken machtlos und verlieren die Kontrolle über diese Gegend. Vertreter der Polizei die ebenfalls in der Runde anwesend underzählten uns etwas über die Situation und versicherten uns, dass die Ecke natürlich in deren Fokus liegt und man die Lage unter Kontrolle hat.  Beruhigter wirkten die anderen und ich am Tisch nicht.

Weiter ging es mit dem Thema Anfeindungen durch Religionszugehörigkeit. Da wir Muslime, Christen und mit mir einen jüdischen Vertreter am Tisch hatten passte das Thema hervorragend.

Ich sprach dem Bundespräsidenten und der Regierungen im allgemeinen erstmal ein Lob aus und sagte, dass Deutschland mit der Aufnahme der Flüchtlinge Menschlichkeit bewiesen habe. Aber die Aufnahme alleine reicht nicht. Viele kamen traumatisiert, werden sie psychologisch betreut ? Viele kommen aus komplett anderen Verhältnissen. Werden sie an das Leben, an den Alltag in Europa eingeführt ? Ich wollte darauf hinaus das die Aufnahme alleine nicht reicht. Das Land hat sich eine langfristige Aufgabe ans Bein gebunden die sie bitte auch umsetzen muss.

Beispiele wie der Auszubildende Jonathan wirken noch zu sehr als erfolgreich angekommen.

Dazu sagte ich, dass wir Juden in Deutschland ein sehr aktives Leben führen. Wir es uns auch zur Aufgabe gemacht haben das Thema Integration aktiv anzugehen. In unserem Orstvereinen spielen Christen, Muslime, Juden alle gemeinsam. Hier ist Religion nicht das Thema, sondern der Sport. Doch durch unsere jüdische Identität geraten wir zu oft als Zielscheibe.

Betont habe ich in Richtung des Bundespräsidenten zusätzlich, dass wir Juden in Deutschland und Europa weiterhin bedeckt durch die Straßen gehen müssen. Unsere Kipa (Kopfbedeckung) oder ein Davidstern als Anhänger an einer Kette ist für zu viele eine Provokation und führt zur Gewalt. Aber womit provozieren wir denn? Wieso wird der Jude noch immer mit anderen Augen angeschaut als andere Religionen ?

Solange wir Juden als einzige Religion uns nicht öffentlich zeigen dürfen hat das mit einem modernen Deutschland / Europa nichts zu tun.

Begleitet wurde ich übrigens von unserem Makkabi Frankfurt Fußballer Cem Kartal der Muslime ist, aus Frankfurt kommt, in Würzburg studiert und mit einer jüdin zusammen ist.

Der Bundespräsident zeigte sich in vielen Punkten überrascht. War mit seiner Frau sehr offen und ging zu jedem Thema aktiv drauf ein. Sie bewunderten unsere Aufgaben und das wir aktiv Tag für Tag dafür hart arbeiten, dass unser schönes Frankfurt noch bunter wird als es ohnehin schon ist.

Nach dem Treffen gehe ich nicht mit der Meinung heraus, dass Herr Steinmeier sehr daran interessiert, dass alle Völker in Deutschland friedlich miteinander leben sollen. Aber er auch erkannt hat, dass es für uns alle noch sehr viel Arbeitet zu leisten gilt, dass Deutschland und Europa wirklich modern und weltoffen wird.

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